Richard Strauss

Internationales Symposion des Zentrums für Genderforschung gemeinsam mit dem Institut für Musikästhetik der Kunstuniversität Graz, 12. Dezember 2011 in Graz

 

„Das Frauenzimmer hat gar vielerlei Arten“

Rubriken des Weiblichen in den Opern von Richard Strauss

 

Macht über Menschen verwirklicht sich in physischer Gewalt wie in intellektuellen Akten. Unter diesen nimmt das Einstufen und Einordnen von Personen eine zentrale Rolle ein. Nicht erst seit Leporellos Registerarie zählt das Rubrizieren und Klassifizieren von Frauen zu den Topoi der Opernbühne. Bei Mozart antwortet den überkommenen Typisierungen der commedia dell’arte eine atemberaubende Individualisierung der weiblichen Gestalten. Das Opernwerk von Richard Strauss lässt sich als Wiederaufnahme dieses Prozesses in den veränderten Kontexten des 20. Jahrhunderts begreifen. Nachdem er mit einem männlichen Wagnerischen Helden – Guntram – begonnen hatte und gescheitert war, kam Strauss durch die ‚Entdeckung‘ der Weiblichkeit seit Salome (1905) als Opernkomponist zu sich selbst. Die Operntitel sprechen dafür, dass er diesen Zusammenhang kannte: Elektra (1909), Ariadne auf Naxos (1912/16), Die Frau ohne Schatten (1919), Die ägyptische Helena (1928), Arabella (1933), Die schweigsame Frau (1935), Daphne (1938), Die Liebe der Danae (1940). Hinter den scheinbar zeitlosen mythologischen Stoffen und dem burschikosen Auftreten des Komponisten verbirgt sich im Falle Strauss’ ein Beobachter, der seismographisch genau registrierte, wie sich in seiner Zeit das Verhältnis der Geschlechter wandelte, durch die frühe Frauenbewegung etwa oder durch die Psychoanalyse. Strauss wusste nicht nur, was ein Trauma ist – er wusste Traumata zu komponieren.

Einerseits klassifizieren die männlichen Figuren in den Opern selbst das weibliche Geschlecht. „Das Frauenzimmer hat gar vielerlei Arten“, bemerkt der Baron Ochs im Rosenkavalier (1911) und stolpert anschließend über eben die Schemata, mit deren Hilfe er sich der Frauenzimmer bemächtigen will. Andererseits fixieren vielleicht auch Strauss und seine Textdichter Rubriken des Weiblichen. Den sprachlichen, musikalischen und szenischen Formen dieser Vorgänge kritisch nachzugehen, verspricht nicht nur soziologischen und historischen, sondern auch künstlerischen Aufschluss über Strauss’ heute repertoireprägendes Opernwerk.

Zu diesem Thema richtet das Zentrum für Genderforschung (ZfG) gemeinsam mit dem Institut für Musikästhetik der Kunstuniversität Graz ein Symposion aus.

 

Zeit      Montag, 12. Dezember 2011, 10.30 17.15 Uhr 

Ort       Kunstuniverstiät Graz, Palais Meran, Florentinersaal, Leonhardstraße 15, 8010 Graz, Österreich

 

 

10.30   Richard Strauss, Rezitativ und Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ aus Ariadne auf Naxos op. 60. Avelyn Francis (Sopran)

10.45   Daniel Ender (Wien): „höhnisch wild singend“. Überlegungen zur charakteristischen Stimmbehandlung der Frauengestalten in den Opern von Richard Strauss

11.45   Friederike Wißmann (Berlin): „Schweigen und Tanzen“. Elektras Sprachverlust bei Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss

14.00   Michael Lehner (Hannover): „Red’ Sie nur nicht zu viel, Sie ist ja hübsch genug!“ Zur musikalischen Konzeption gegensätzlicher Frauengestalten in den frühen Opern von Strauss und Hofmannsthal

15.00   Stefan Schmidl (Wien): „Meiner dunklen Sehnsucht hoher Tempel der Verheißung!“. Richard Strauss’ letzte Heroinen im Kontext nationalsozialistischer Frauen-Ästhetik

16.15   Vera Grund (Salzburg): Gluck/Strauss: Iphigenie en Tauride. Eine Heldin im 18. und 19. Jahrhundert

 


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