Joseph Marx

Der „prachtvolle Österreicher“: Musik, Amt und Würden des Joseph Marx (1882 – 1964)

 

Mo., 28. Oktober 2013, 14.00 – 18.00 h, Kunstuniversität Graz, Palais Meran, Leonhardstraße 15, A-8010 Graz, Florentinersaal

 

„Und endlich soll am heutigen Tage auch des prachtvollen Österreichers gedacht werden, der Sie immer waren und bis heute ungebrochen geblieben sind“. Also sprach der Rektor der Universität Wien am 10. Mai 1947 anläßlich der Ehrenpromotion von Prof. Hofrat Dr. Joseph Marx, und fügte hinzu, worin sich Marx denn als so prachtvoll erwiesen habe: „in seiner Kunst“. Andere hatten eben damit eher ihre liebe Not als ihre Freude: mit einer prachtvollen, nur allzu prachtvollen Musik inmitten einer Zeit nie dagewesener physischer, politischer und ökonomischer Zerstörungen. So erging es Adorno mit Werken, in die, selbst wenn es sich um Nachtmusiken handelte, nichts von der Dunkelheit jener Zeit zu fallen schien – oder, wenn doch, dann allenfalls unfreiwillig: „In der Symphonischen Nachtmusik von Joseph Marx, die Krauss im Museum zur Uraufführung brachte, bleibt einem nichts erspart. Es herrscht da ein Großbetrieb mit Brunnen, Mondgeflimmer und Inbrünsten jeglicher Art, dessen stramme Stimmungsorganisation kein Plätzchen zum Atmen freigibt, und wär’ es noch so klein. Die Stille der Nacht strömt erotissimo, die Nachtigallen dürften vierfach besetzt sein, Klavier, Harfe, Celesta produzieren Impressionismus, weil er doch einmal modern war; die hohen Geigen indes behüten mit ihrem Vibrato die original romantische Flamme. Harmonisch weiß man wohl mit Schreker Bescheid, bleibt aber bei aller Erotik doch ehrbar, wie es sich gehört. Muß es sein? Es muß sein. Man soll nicht sagen, die Konzertmusik habe alles soziologische Interesse verloren.“ Hat sie, in ihrer Marxschen Gestalt, inzwischen erneut ästhetisches Interesse erlangt, statt bloß soziologisches? Immerhin haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten bedeutende Interpreten seines Werks angenommen: Jorge Bolet, Zubin Mehta, Marc-André Hamelin, Angelika Kirchschlager, Markus Schirmer, Fabio Luisi. Fühlt man sich einstweilen wohler mit prachtvoller Musik? Bedeutet uns heute das Werk von Joseph Marx, dessen Todestag sich bald zum 50. Male jährt, noch oder wieder etwas?

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