Geschichte

Zur Geschichte des Instituts für Musikästhetik

 

Karin Marsoner und Andreas Dorschel

Gründung des Instituts
Das Institut für Musikästhetik wurde im Mai 1967 als Institut für Wertungsforschung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz gegründet. Es stellte sich im Oktober 1967 mit einem Symposion „Über Musikkritik“ im Rahmen der steirischen Akademie in Schloss Eggenberg der Öffentlichkeit vor.
     Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Gründung wissenschaftlicher Institute – der Keimzellen für die universitäre Verbindung von Wissenschaft und Kunst – waren im Organisationsstatut der Grazer Kunstakademie verankert. In diesem Statut (BGBl. 24. 11. 1964) auf der Grundlage der Kunstakademiegesetzesnovelle von 1962 sind zwar noch keine selbständigen wissenschaftlichen Institute genannt, doch scheint bereits im ersten Studienführer für 1964/65 erstmals als „Institut für praktische Musikfolklore“ das heutige „Institut für Ethnomusikologie“ auf, welchem in den folgenden zwei Jahren die vier weiteren, heute noch existierenden Institute folgten.
     Funktion und Arbeitsweise dieser Institute wurden vom Präsidenten der Akademie, Prof. Dr. Erich Marckhl, im Nachhinein folgendermaßen beschrieben:

Die Institute der Akademie hatten primär die Aufgabe der Forschung. Sie waren selbständige, von den Abteilungen unabhängige Einrichtungen. Kontinuierliche Lehrtätigkeit lag nicht im verpflichtenden Arbeitsbereich, doch wurde im weiteren Sinn an allen Instituten „gelehrt“, [...] in zum Teil periodischen oder zeitlich begrenzten Veranstaltungen seminaristischen oder collegehaften Charakters, die der Behandlung bestimmter Probleme im Arbeitskreis der Institute galten. […] Die Arbeit manifestierte sich in Veranstaltungen, die den Charakter von Symposien oder Kongressen hatten.

Diese grundsätzlichen Funktionen der fünf Institute änderten sich auch nicht mit der Überführung der Akademie in eine Hochschule mit 1. August 1970.
     Das Institut für Wertungsforschung wurde als „Institut für Kulturpublizistik“ durch Präsident Prof. Dr. Marckhl nach einem Konzept von DDr. Harald Kaufmann gegründet. Kaufmann, damals Leiter der Musikabteilung der „Neuen Zeit“ in Graz, wurde zum ersten Vorstand des Instituts bestellt, das er bis zu seinem frühen Tod im Juli 1970 leitete.
     Kaufmanns Konzept vom 11. Juli 1966 enthält eine Definition des Begriffs „Kulturpublizistik“, Hinweise über die Funktion des Instituts im Rahmen der Musikakademie, die neben der Ausbildung von Kulturpublizisten vor allem im Bereich der Forschung angesetzt war, sowie klare Vorstellungen hinsichtlich Organisation und Arbeitsweise. Auch wurden hier bereits die ersten Arbeitsvorhaben angezeigt, deren einige in der Folgezeit realisiert werden konnten.
     Das Symposion „Für Musikkritik“ enthielt Grundsatzreferate zu Theorie und Praxis der Musikkritik von Theodor W. Adorno und Joachim Kaiser sowie einige Kurzreferate zur Situation der Kulturpublizistik in verschiedenen europäischen Ländern. Harald Kaufmann präsentierte seine konkreten Vorstellungen und Pläne: In fünf „Thesen zur Wertungsforschung“ zeigte er die komplexe Vernetzung ästhetischer Urteilsbildungen mit ökonomischen und sozialen Wertkategorien auf, und leitete daraus die Interdisziplinarität und Methodenvielfalt der neuen Forschungsrichtung ab. Dieses Symposion bildete nicht nur ein Modell für die folgenden, jährlich stattfindenden Symposien über jeweils aktuelle Themen des Musiklebens, sondern zeigte durch Adornos Beitrag auch die gesellschaftskritische, kulturphilosophische Orientierung des Instituts auf. Kaufmann bekannte sich zu Adornos „Negativer Dialektik“ und zur Erschließung des „gesellschaftlichen Gehalts“ von Musik durch werkimmanente Analyse.

Wertanalytische Grundlagenforschung (1967 bis 1970)
Unter der Leitung des Instituts durch Harald Kaufmann wurde das breite Feld der Wertungsforschung sowohl an ästhetischen Objekten, als auch an Verhaltensmodellen der Urteilsbildung ausgesteckt und es wurden verschiedene Methoden erprobt: Durch wissenschaftliche Vorträge mit Diskussionen und Gespräche mit Komponisten und Interpreten wurden Kategorien der Bewertung vor allem zeitgenössischer Musik gesucht und in Arbeitskreisen diverse Projekte empirischer Sozialforschung durchgeführt. Kaufmann publizierte zwei Bände mit eigenen Aufsätzen: Spurlinien. Analytische Aufsätze über Sprache und Musik und Fingerübungen. Musikgesellschaft und Wertungsforschung und begründete mit der Dokumentation des Eröffnungssymposions die Publikationsreihe des Instituts Studien zur Wertungsforschung (Abk.:Studien), von welcher er selbst noch Bd. 2 und Bd. 4 herausgeben konnte.
     Für die genannten Vorträge und Gespräche, die nach Kaufmanns eigener Antrittsvorlesung am 13. Dezember 1967 („Zur Wertung des Epigonentums in der Musik“) zwischen April und Dezember 1969 stattfanden, gewann Kaufmann u. a. folgende Wissenschaftler und Künstler, mit welchen er bereits vor der Gründung des Instituts Kontakte unterhalten hatte: Rudolph Stephan, Hans Heinz Stuckenschmidt, Luigi Dallapiccola, Alfred Brendel, Ernst Krenek und György Ligeti. Ein Vortrag mit Diskussion von Theodor W. Adorno „Zur Konzeption eines Wiener Operntheaters“ (Studien Bd. 2) diente als Grundlage eines Arbeitsprojekts zur Erforschung des österreichischen Presseverhaltens in Opernfragen. Ein zwischen 1968 und 1970 durchgeführtes, empirisches Forschungsprojekt im Bereich der experimentellen Psychologie wurde 1970 in Bd. 4 der Studien publiziert, die Ergebnisse eines Marktforschungsprojekts über die Gestaltung der Kulturberichterstattung in 8 führenden europäischen Tageszeitungen, das nach Kaufmanns Tod fortgeführt wurde, erschienen 1975 in Bd. 5 der Publikationsreihe.
     Ein zweites, von Kaufmann geplantes Symposion über „Integrierte und nicht integrierte Revolution in der Kunst“ wurde von seinem Nachfolger Otto Kolleritsch im Rahmen des „steirischen herbst 1970“ veranstaltet. Die Beiträge erschienen mit jenen des Symposions von 1971 („Gesellschaftliches Engagement und kompositorische Tendenzen“) in Bd. 3 der Studien.

Wertungsforschung als Rezeptionsgeschichte (1970 bis 2002)
Nach Kaufmanns Tod übernahm Otto Kolleritsch die Leitung des Instituts, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2002 innehatte. So weit dies möglich war, bemühte sich Kolleritsch zunächst um die Fortführung der begonnenen Projekte Kaufmanns und übernahm auch die Form der Institutsarbeit. Neue Wege eröffneten sich für das Institut durch die Zusammenarbeit mit dem Festival „steirischer herbst“ (ab 1970) wie auch durch die Überleitung der Akademie in eine Hochschule (1970) – in beiden Fällen durch die Verbindung der Forschung mit der Musikpraxis: durch die thematische Abstimmung der alljährlichen Symposien mit den Programmen des „Musikprotokolls“ und durch die sukzessive Einbindung des Instituts in die Musikausbildung. Zwar präsentierte sich das Institut im Studienführer noch mit dem von Harald Kaufmann entwickelten, vornehmlich auf zeitgenössische Musik und deren Rezeption ausgerichteten, breiten Forschungsspektrum, doch konzentrierte sich das Interesse zunächst deutlich auf rezeptionsgeschichtliche Fragen: auf die wertanalytische Untersuchung von Rezeptionshaltungen in Vergangenheit und Gegenwart und deren Auswirkungen auf die „Rezeptionsgeschichte“ einzelner Werke oder Werkgruppen. (Die Einführung von Rezeptions- bzw. Wirkungsgeschichte bedeutete den Einbezug von Soziologie in die historischen Musikwissenschaften und bot in den 70er Jahren ein „heißes“ Diskussionsthema.)
     Kolleritsch sah darin eine Möglichkeit der Verbindung der beiden in Kaufmanns Thesen noch getrennten Forschungsgebiete am Kunstobjekt bzw. am wertenden Subjekt. Allerdings reichte seiner Meinung nach eine Rezeptionsästhetik als Grundlage für Wertungsforschung nicht aus. Ohne die Annahme „eines idealen, an sich gegebenen Sinngehalts der künstlerischen Hervorbringung“ als Grundlage der Identität eines Kunstwerkes gerate die Rezeptionsästhetik durch die unmessbare Vielfalt der in der Rezeption gesammelten Meinungen in einen totalen Relativismus. Daher habe man die Werke der Musik als Ausdrucksformen innerhalb eines Kommunikationssystems zu betrachten, welches sie vermittelt, ohne die autonomen Qualitäten der Musik auszuschalten. (1980)

Wertungsforschung als kritische Musikästhetik
Die wertanalytischen Untersuchungen erfolgten vom Standpunkt einer Kunstauffassung aus, die Kolleritsch mit dem Begriff „Kritische Musikästhetik“ verband und die sich im weiten Sinne von der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule herleitete, bzw. der „Ästhetischen Theorie“ Theodor W. Adornos. Seinerseits stets um eine kritische Hinterfragung seiner Standpunkte bemüht, beschäftigte sich Kolleritsch wiederholt mit der Erklärung des Begriffs, den er erstmals 1970 zur Bezeichnung seiner Lehrkanzel („für Wertungsforschung und kritische Musikästhetik“) verwendete. Die folgende, besonders klare Formulierung zeigt deutlich den Einfluss des geschichtsphilosophisch-dialektischen Denkens Adornos:

Ästhetik ist nur als „kritische“ wahr. Als „bloße“ wäre sie ein Begründungsversuch der Affirmation des Scheins der Kunst, dazu da, ihn argumentativ zu befestigen […] Das Zusammenspiel von Wertungsforschung und kritischer Musikästhetik versucht den Prozeß der Veränderung, in welchem Kunst sich ereignet, ihr Schicksal im „Unausweichlichen“ zu spiegeln. […] In diesem Prozeß hat Kunst stets ein die Empirie verwandelndes Gegenbild von Realität zu sein. (1996)

Kritische Musikästhetik ist geschichtsabhängig, nicht normativ und – was den vorausgesetzten gesellschaftlichen Gehalt der Kunst betrifft – nicht affirmativ. Sie richtet sich auf ästhetische Urteilsbildung, verstanden als ein

kompliziert zu entschlüsselnder Prozeß des Zusammenspiels von ästhetischen, gesellschaftlichen und psychologischen Determinanten. Die Erkenntnis zwanghafter gesellschaftlicher Vorordnungen in der Ästhetik und die Analyse des künstlerischen Objekts, der künstlerischen Leistung, sollen durch begründete Einsicht ineinander greifen, um den Mechanismen eines kulturindustriell verführten Konsums in der Musik entgegenzuwirken. (Umschlag der Studien Bd. 7 bis 43)

Kritische Musikästhetik und die Erschließung der Künste
Eine Erschließung der Künste im Sinne „Kritischer Musikästhetik“ zielt auf eine Erschließung des autonomen Sinngehalts musikalischer Kunstwerke des Konzert- und Opernrepertoires, der sich (nach Adorno) im Laufe der Aufführungsgeschichte der Werke durch die Konfrontation mit dem jeweils Neuen entfaltet.
     Durch die sukzessive Einbindung des Instituts in die Musikausbildung, aber auch in Verbindung mit den öffentlichen Veranstaltungen der Hochschule, zu deren Rektor Kolleritsch 1979 bestimmt wurde, konnte Wertungsforschung auch praktisch eingesetzt, bzw. zur Wirkung gebracht werden: Ab dem Studienjahr 1973/74 wurden am Institut Seminare angeboten, ab 1974/75 gab es eine Vorlesung mit Seminar über „Ausgewählte Kapitel der Musikästhetik“ mit wechselnden Inhalten, die seit 1976/77 in den allgemeinen Studiengang eingebunden ist. 1979/80 wurde das Angebot um eine weitere Vorlesung mit Seminar über „Grundprobleme der musikalischen Rezeption“ und ein Konversatorium über „Musikästhetische Positionen der Gegenwart“ erweitert. Dieses Konversatorium und eine „Einführung in die Musiksoziologie“ fanden Aufnahme in den Studienplan für Musikerziehung und Instrumentalmusikerziehung. Seit 1983 beteiligt sich das Institut an der Betreuung wissenschaftlicher Magister- und Diplomarbeiten, seit 1986 (Einführung eines interuniversitären Doktoratsstudiums) werden hier auch Dissertationen verfasst.
     Ein wichtiges Wirkungsfeld eröffnete sich dem Institut 1982 durch den von Rektor Kolleritsch gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der Hochschule begründeten Abonnementzyklus, für welchen die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts Einführungstexte (vom Standpunkt kritischer Musikästhetik) verfassten. Einen besonderen Stellenwert bekamen die Einführungsvorträge von Harald Haslmayr für die seit 1986 im T.i.P. („Theater im Palais“) veranstalteten Opernaufführungen.
     Die Idee der Erschließung der Musikwerke Franz Schuberts durch Konfrontation mit Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts führte 1989 zur Begründung des Internationalen Wettbewerbs Franz Schubert und die Musik der Moderne, welcher 2009 zum 7. Mal stattfinden wird.

Die Symposien des Instituts: Versucht man, die in Form von Symposion durchgeführten Arbeitsprojekte des Instituts zu ordnen, gelangt man zu einigen bevorzugten Themenfeldern:

1. Komponistenportraits, Retrospektiven, Rezeptionsgeschichte (in Verbindung mit „Personalen“ des Musikprotokolls): Alexander Zemlinsky. Tradition im Umkreis der Wiener Schule (1974), Franz Schreker. Am Beginn der Neuen Musik (1976), Alexander Skrjabin (1980), Ernst Krenek (1982), Egon Wellesz (1986), György Ligeti. Personalstil – Avantgardismus – Popularität (1984), Die Musik Luigi Nonos (1991)
Außerhalb des steirischen herbst veranstaltete das Institut Symposien über Gustav Mahler. Zukunft im Stückwerk der Tradition (1973), Sinfonie und Wirklichkeit (1974), 50 Jahre Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Oper „Wozzeck“ von Alban Berg (1975), Beethoven und die Zweite Wiener Schule (1990 im Rahmen der styriarte), „Dialekt ohne Erde“…Franz Schubert und das 20. Jahrhundert (1995)

2. Ästhetische Autonomie – Funktionalität – politisches Engagement
Symposien: Gesellschaftliches Engagement und kompositorische Konsequenzen (1971 in Zusammenhang mit einer Hanns-Eisler-Retrospektive), Integrierte und nicht integrierte Revolution in der Kunst (1970), Die Wiener Schule und das Hakenkreuz. Das Schicksal der Moderne im gesellschaftspolitischen Kontext des 20. Jhs. (1988)

3. zeitgenössische kompositorische Strömungen:
Der musikalische Futurismus. Ästhetisches Konzept und Auswirkungen auf die Moderne (1973) Zur „Neuen Einfachheit“ in der Musik. Ästhetisches Neuland oder Zugeständnis ans Publikum(1979), Musik und Transzendenz (1983), Grenzen der Gattungen – Entgrenzungen der Gattungen (1985)

4. Opernästhetik, Zeitgenössisches Musiktheater
50 Jahre „Wozzeck“ von Alban Berg. Vorgeschichte und Auswirkungen in der Opernästhetik “ (1975), Franz Schreker. Am Beginn der Neuen Musik (1976), Ernst Krenek (1980), Oper heute. Formen der Wirklichkeit im zeitgenössischen Musiktheater (1981), Egon Wellesz (1982), Vom Neuwerden des Alten. Über den Botschaftscharakter des musikalischen Theaters (1993), Das Musiktheater – Exempel der Kunst (2000), Die Musik als Medium von Beziehungsbefindlichkeiten. Mozarts und Wagners Musiktheater im aktuellen Deutungsgeschehen (2001)

5. Musik und Literatur
Zeitgenössische Musik und zeitgenössische Dichtung (1986), Verbalisierung und Sinngehalt. Über semantische Tendenzen im Denken in und über Musik heute (1987), Die Musik, das Leben und der Irrtum. Thomas Bernhard und die Musik (1999)

6. Produktionsästhetik
Musikalische Gestaltung im Spannungsfeld von Chaos und Ordnung (1989)

7. Moderne/Postmoderne
Wiederaneignung und Neubestimmung. Der Fall „Postmoderne“ in der Musik (1991), Die Neue Musik in Amerika. Über Traditionslosigkeit und Traditionslastigkeit (1992), Klischee und Wirklichkeit in der musikalischen Moderne (1993), Das aufgesprengte Kontinuum. Über die Geschichtsfähigkeit der Musik (1994), „Laß singen, Gesell, laß rauschen …“ Zur Ästhetik und Anästhetik in der Musik“ (1995), Das gebrochene Glücksversprechen (1996), Franz Schubert und das 20. Jahrhundert. Dialekt ohne Erde (1997), Abschied in die Gegenwart. Teleologie und Zuständlichkeit in der gegenwärtigen Musik (1997)

Wertungsforschung als historisch belehrte Philosophie der Musik (seit 2002)
Nach der Emeritierung von Otto Kolleritsch 2002 wurde Andreas Dorschel als Ordinarius für Wertungsforschung und kritische Musikästhetik ans Institut berufen. Dorschel sieht die übliche Unterscheidung zwischen Werten und Fakten als eine Abstraktion an, die, wenngleich manchmal nützlich, entscheidende Aspekte des menschlichen Zugangs zur Welt verkennen lasse. Im Erinnern oder Erwarten beziehen sich Menschen zwar erkennend auf die Welt, wie sie war oder sein werde (oft, indem sie Schlüsse daraus ziehen, wie sie ist), doch dieses Erkennen sei gesättigt mit Werten:

was einer oder eine schätzt, oder was ihnen widerstrebt, lenkt ihre Aufmerksamkeit. Kunst ist nicht nur ein mögliches Objekt von Wertungen, sondern manifestiert selbst jenen erkennend – wertenden Weltzugang. Musikalische Werke sind nicht einfach Strukturen (d. h. unter eine räumliche Metapher subsumierbar), sondern Ausdruck der menschlichen Erfahrung von Zeit, deren Verlauf sie überhöhen, ordnen, verwirren, beschleunigen, verlangsamen, oder dem sie sich entgegenstemmen. Subjektivität, die so ihr Dasein in der Zeit auslegt und wertet, ist allerdings keine anthropologische Konstante. Sie hat Geschichte und gesellschaftlichen Ort. Wertungsforschung entwirft eine historisch belehrte Philosophie der Musik. (2006)

Regelmäßig stattfindende Forschungskolloquien geben Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern des Instituts und Doktorandinnen/Doktoranden die Möglichkeit eines wissenschaftlichen Gedankenaustausches.
Eine große Erweiterung erfuhr das Lehrangebot des Instituts durch die Einführung der interuniversitären Studienrichtung „Musikologie“ im Studienjahr 2006/07.

Symposien:

21. – 23. November 2003: Dem Ohr voraus. Erwartung und Vorurteil in der Musik.

5./6. Dezember 2003: Richard Strauss. Zur 100. Wiederkehr des Geburtstages von Theodor W. Adorno

24 – 26. Oktober 2004: Tonspuren. Musik und Film, Musik im Film

21 - 23. Oktober 2005: Verlorene Zeit, wiedergefundene Zeit. Vom Vergessen und Erinnern in der Musik

3. November 2005: Musikland Österreich auf Identitätssuche. Neue Perspektiven in der Instrumentalmusikerziehung und in der musikalischen Begabungsförderung und Begabtenfindung

1./2. April 2006: „Wie Orpheus spiel ich auf den Saiten des Lebens…“ Ingeborg Bachmann und die Musik

17./18. Oktober 2006: Musik und Globalisierung. Zwischen kultureller Homogenisierung und kultureller Differenz (gemeinsam veranstaltet mit dem Institut 1 der KUG)

4. - 6. Mai 2007: Gewinn und Verlust in der Musikgeschichte: Auf der Suche nach verspielten Optionen (gemeinsam mit der Universität Erlangen, Univ.Prof. Dr. Andreas Haug)

15. Juni 2007: "Akkulturation und Pluralität" - Eine Kultursemiotik Mitteleuropas (Jubiläumsveranstaltung 40 Jahre Institut für Wertungsforschung)

9. - 12. Oktober 2008: Musiktheorie als interdisziplinäres Fach (VIII. Kongress der Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH), gemeinsam veranstaltet mit dem Institut 1 der KUG und in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft (ÖGMW))

6. November 2008: November 1938. Gewalt, Gedächtnis, Kunst anlässlich des 70. Jahrestages der nationalsozialistischen Novemberpogrome in Deutschland und Österreich (gemeinsam veranstaltet mit dem Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz)

13. März 2009: Versuche über Wagner. Ein Symposion zum 75. Geburtstag von Otto Kolleritsch

7. - 9. Mai 2009: Von der Schönheit des Gesangs. Wandel der Ästhetik im europäischen Kunstgesang von Monteverdi bis Strauss (gemeinsam veranstaltet mit dem Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis (Kunstuniversität Graz))

5. - 7. November 2009: Bodily Expression in Electronic Music (gemeinsam veranstaltet mit dem Institut für Elektronische Musik der Kunstuniversität Graz)

13. - 14. Oktober 2010: Musik und Sprache. Ein Symposion mit Albrecht Wellmer (gemeinsam mit dem Institut für Komposition, Musiktheorie, Musikgeschichte und Dirigieren der Kunstuniversität Graz)

20. - 21. Oktober 2010: "Rationale Durchleuchtung". Harald Kaufmann (1927 - 1970): Musik, Kritik, "Jüdischer Geist" (gemeinsam mit dem Centrum für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz)

6. Mai 2011: Paragone: The Contest of the Arts - Der Wettstreit der Künste

12. Dezember 2011: "Das Frauenzimmer hat gar vielerlei Arten". Rubriken des Weiblichen in den Opern von Richard Strauss (gemeinsam mit dem Zentrum für Genderforschung)

20. - 21. Jänner 2012: Giacinto Scelsi heute. Ästhetische Dimension und Kompositorischer Prozess (Eine Veranstaltung im Rahmen des FWF geförderten Forschungsprojekts "Giacinto Scelsi und Österreich" gemeinsam mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck)